In der Gelnhäuser Kinzigaue: Feuchtbiotop Bechtoldsahl saniert

In der Gelnhäuser Kinzigaue: Feuchtbiotop Bechtoldsahl saniert

Gelnhausen (GNA/sh). Die Arbeiten zur Wiederherstellung eines großen Feuchtbiotops in der Gelnhäuser Kinzigaue sind inzwischen abgeschlossen. Durchgeführt wurde die Maßnahme von der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA), die bereits 2018 für die Köhlersaue von Wächtersbach und Kinzigaue von Langenselbold ähnliche Artenschutzschutzprojekte plante und umsetzte.

Ziel der umfangreichen Maßnahme ist es, durch die Renaturierung des „sanierungsbedürftigen Trittsteinbiotopes“ Bechtoldsahl im Überschwemmungsgebiet von Gelnhausen eine ökologische Aufwertung der Kinzigaue zu erreichen. Der Lebensraum für seltene und bedrohte Amphibien soll hier nachhaltig verbessert werden. Langfristig sollen sich die Bestände von Gelbbauchunke, Laubfrosch und anderen Amphibienarten, darunter auch die der Erdkröte, stabilisieren. Insbesondere die Gelbbauchunke bereitet den Artenschützern derzeit große Sorgen, da ihre Vorkommen schwinden und die Bestände dramatisch schrumpfen.

Sorgenkind Gelbbauchunke

Die Gelbbauchunke zählt in Hessen zu den Amphibien, die am stärksten bedroht sind. Das bedeutet, dass die Art erheblich zurückgegangen ist. Außerdem ist ihr Überleben durch laufende und geplante menschliche Eingriffe ernstlich bedroht. Kann die aktuelle Gefährdung nicht abgewendet werden, rückt die Gelbbauchunke voraussichtlich in die Kategorie „Vom Aussterben bedroht“ vor.

„Um die Brisanz richtig zu verstehen, muss man wissen, dass die Gelbbauchunke in Europa endemisch ist, also nur hier vorkommt. Somit trägt nicht nur Deutschland, sondern auch Hessen eine ganz besondere Verantwortung für das kleine Amphib mit dem gelb-schwarzem Bauch“, berichtet Susanne Hufmann, Biologin und Vorsitzende der GNA. Das größte Problem: Durch die Errichtung von immer mehr Gewerbegebieten und immer größeren Logistikcentern in der freien Landschaft hat die Unke großflächige Arealverluste erlitten. Der ebenfalls zunehmende Siedlungs- und Verkehrswegeausbau hat ihr Verbreitungsgebiet so stark zerschnitten, dass im Main-Kinzig-Kreis nur noch wenige Vorkommen existieren, die überdies sehr weit voneinander entfernt liegen und stark isoliert sind.

Was braucht die Unke?

Die Gelbbauchunke ist auf so genannte „dynamische Lebensräume“ spezialisiert, in denen immer wieder neue Tümpel entstehen. Als Pionierart besiedelt sie vor allem sich rasch erwärmende, vegetations­arme Gewässerbiotope, in denen Fressfeinde wie Fische, Molche und Libellenlarven noch fehlen. Deshalb ist es bei älteren Gewässern von Vorteil, wenn sie in regelmäßigen Abständen austrocknen. Das stark verlan­dete Feuchbiotop Bechtoldsahl befand sich in einem älteren Sukzessionsstadien und war daher als Laichgewässer vollkommen unbrauchbar. Durch den Rückschnitt des Gehölzriegels, die moderate Abflachung der Ufer, die Entschlammung und Entkrautung des Gewässers und eine flächige Erweiterung des Biotops auf jetzt immerhin 1.200 m² werden nun endlich die Bedingungen erfüllt, die Amphibien an ein funktionierendes Laich- und Fortpflanzungsgewässer stellen.

Wetter verursacht Zwangspause

Bereits im November 2019 startete das Vorhaben, indem man die überalterten Gehölze entlang des We­ges „auf Stock“ setzte und die Weiden zu Kopfbäumen schnitt. Dann allerdings kam das Vorhaben zum Erliegen: Starker und lang anhaltender Regen durchweichte derart den Boden, dass er – selbst mit speziell bereiften Baggern, Schleppern und Muldenkippern – nicht mehr befahrbar war. Die witterungsbedingte Zwangspause dauerte bis Mitte Januar 2020. „Ein Alptraum für Naturschützer und Tiefbauunternehmer.“ berichtet Projektleiter Günter Könitzer (GNA). „Nicht nur, dass behördlicherseits die Renaturierung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes abgeschlossen sein muss, da sonst die Gelder nicht mehr zur Verfügung stehen, sondern dass auch Baggerarbeiten mit Beginn der Brut- und Setzzeit im Außengelände nicht mehr zulässig sind.“ So kam es, dass – mit Einsetzen einer kurzen Frostperiode – sich ein kleines Zeitfenster öffnete, in denen die Arbeiten Tag und zum Teil auch in der Nacht durchgeführt werden mussten. Ende Januar konnten die Arbeiten dann endlich abgeschlossen werden.

Gute Zusammenarbeit

Das Projekt entstand im Juni 2018 in enger Kooperation mit der Natur- und Vogelschutz­gruppe Meerholz-Hailer, dem Landschaftspflegeverband Main-Kinzig, der Stadt Gelnhausen und dem Regie­rungspräsidium Darmstadt. Ermöglicht wurde es durch ein Förderinstrument für Naturschutzmaß­nahmen im ländlichen Raum. Auf Bundesebene wurde der nationale Rahmenplan der „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK)“ erweitert mit dem Ziel, investive Maßnahmen im ländlichen Raum zu fördern. Darunter fällt auch die Schaffung oder Wiederherstellung von Feuchtbiotopen und Kleingewässern. Die Fördermittel in Höhe von knapp 70.000 Euro stammen zu 60 % vom Bund und zu 40 % vom Land Hessen.


Die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung bittet für ihre wichtigen Naturschutzprojekte um Spenden auf das Konto IBAN: DE 75 5066 3699 0001 0708 00 (Raiffeisenbank Rodenbach). Spenden an die gemeinnützige GNA sind steuerlich absetzbar.

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