Dreiturm: „Wo Vielfalt zum Erfolg wird“

Dreiturm: „Wo Vielfalt zum Erfolg wird“

In der Vergangenheit gute Erfahrungen damit gemacht, Personal aus verschiedenen Ländern einzustellen.

Steinau / Main-Kinzig (KCA/tg). In den Produktionshallen von der Firma Dreiturm aus Steinau, begleitet vom rhythmischen Summen der Maschinen, entfaltet sich eine faszinierende Entwicklung: Oleksandr Dobrovolskyi betritt hier nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern einen neuen Lebensabschnitt. Seine Flucht aus der Ukraine über den SGB II-Leistungsbezug beim Kommunalen Center für Arbeit (KCA) bis hin zur qualifizierten Tätigkeit in der pharmazeutischen Produktion, spiegelt den erfolgreichen Weg der beruflichen als auch kulturellen Integration wider. Dobrovolskyi gewährt gemeinsam mit Dreiturm-Eigentümer und Geschäftsführer Lars Börgel Einblicke in seine persönliche Geschichte und in seinen Arbeitsalltag.

Vor zwei Jahren floh Dobrovolskyi mit seiner Familie aufgrund des Russland-Ukraine Krieges. Trotz mangelnder Sprachkenntnisse und einer unklaren Zukunft nahm der 37-Jährige bereits nach wenigen Monaten eine geringfügige Beschäftigung als Landschaftsgärtner auf. Die im Integrationskurs erlangten Deutschkenntnisse konnte er hier festigen und stetig weiterentwickeln. Im Oktober 2023 besuchte der Familienvater das Job-SpeedDating des KCA namens Meet-Match-Work in Wächtersbach. Hierbei treten Arbeitsuchende auf Einladung des KCA unkompliziert mit regionalen Arbeitgebenden in den Austausch. „Die Veranstaltung war für mich sehr erfolgreich und lebensverändernd. Durch das Job-Speed-Dating erhielt ich die Chance, meinen jetzigen Arbeitgeber kennenzulernen, mich zu präsentieren und mir eine Perspektive zu erschließen“, erklärt der Ukrainer. Neben Dobrovolskyi haben bislang sieben weitere ukrainische Leistungsbeziehende durch diese Veranstaltung und daraus folgender Mundpropaganda bei Dreiturm GmbH eine Anstellung gefunden. Weitere potenzielle Mitarbeitende mit dem gleichen Hintergrund sind aktuell im Gespräch.

Der Hersteller von Hygiene-, Gesundheits- und Beautyprodukten sieht eine vielfältige Belegschaft als Stärke und hat in der Vergangenheit gute Erfahrungen damit gemacht, Personal aus verschiedenen Ländern einzustellen. Geschäftsführer Lars Börgel betont: „Dreiturm ist wie eine echte Integrationsmaschine. Wir beschäftigen Mitarbeitende aus über 20 verschiedenen Herkunftsländern. Einsatzbereitschaft, Engagement und ein freundliches Miteinander sind für uns dabei entscheidend.“ Man achte darauf, Neuzugänge vom ersten Tag an in die jeweiligen Teams zu integrieren – etwa durch Patenschaften oder dadurch, dass man Beschäftigte mit dem gleichen kulturellen und sprachlichen Hintergrund gemeinsam einsetze.

Dobrovolskyi belegt eindrucksvoll, dass eine Vermittlung nicht nur in einfache, sondern auch in qualifizierte Tätigkeiten erfolgen kann. Der Brachttaler konnte mit zwei pharmazeutischen Studienabschlüssen sowie 18 Jahren Berufserfahrung überzeugen und arbeitet seit November 2023 als Mitarbeiter zur Unterstützung der Leitung der Herstellung von Medizinprodukten, Arzneimitteln und Kosmetik bei Dreiturm. Börgel unterstreicht die Bedeutung dieser Vermittlung: „Die Integration von Herrn Dobrovolskyi ist nicht nur ein persönlicher Erfolg, sondern bereits jetzt sehen wir die positiven Veränderungen in unserem Team. Seine anderen Blickwinkel und umfangreichen Berufserfahrungen haben bereits wichtige Impulse gesetzt und zur Verbesserung von Produktionsabläufen beigetragen.“ Die Anpassung an die deutsche Arbeitsweise fiel Dobrovolskyi trotz neuer Örtlichkeit vergleichsweise leicht, da er mit internationalen Standards zur Qualitätssicherung, den GMP-Normen (Good Manufacturing Practice) sowie anderen Richtlinien vertraut ist. „Ich konnte meine vorhandenen Kenntnisse und Erfahrungen erfolgreich übertragen und hier in Deutschland anwenden“, betonte Dobrovolskyi. „Anfangs war ich besorgt mit Blick auf meine Sprachkenntnisse, aber ich wurde gut in das Team aufgenommen und integriert. Mittlerweile kann ich mich gut mit allen verständigen.“

Sprachverständnis stellen für viele Migranten, neben den langwierigen Anerkennungsprozessen von Abschlüssen, die größte Herausforderung dar. „Um unserer Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nachzukommen, müssen wir grundlegende Deutschkenntnisse voraussetzen.“ erklärt Börgel. „Andernfalls könnten wir weder Arbeitssicherheit, noch die Einhaltung von Hygienevorschriften gewährleisten.“ Erika Kollmann, Koordinatorin für Arbeitsmarkt- und Integrationsprojekte beim KCA, betont die Bedeutung der Sprachkenntnisse: „Unsere Sprache ist keine einfache und das Erlernen erfordert entsprechend viel Zeit. Bei der Betreuung von über 2.300 Ukrainern sowie weiteren Drittstaatlern stoßen die Träger im Main-Kinzig-Kreis an ihre Kapazitätsgrenzen, was zu langen Wartelisten führt. Die Vergangenheit zeigte uns jedoch, dass Grundkenntnisse der deutschen Sprache unverzichtbar sind, sowohl für die kulturelle Integration, als auch zur Minderung der Vermittlungshindernisse.“

Die Zusammenarbeit zwischen dem Kommunalen Jobcenter und regionalen Unternehmen wie Dreiturm ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Integration von geflüchteten Fachkräften. Kollmann zeigt sich hochzufrieden: „Wir sind sehr froh, dass wir mit Herrn Dobrovolskyi einen qualifizierten Mitarbeiter erfolgreich vermitteln konnten, der nun seinen Lebensunterhalt und den seiner Familie eigenständig bestreiten kann.“ Auch in der Vergangenheit hat sich die Zusammenarbeit zwischen dem KCA und Dreiturm als fruchtbar erwiesen. Die GmbH gehört zu den erfolgreichsten Vermittlungspartnern des KCA und hat in den letzten fünf Jahren fast 50 Leistungsbeziehende in eine Beschäftigung übernommen. Um diese Synergien weiterhin zu nutzen, sind bereits die nächsten Schritte in Planung: „Wir haben einen stetigen Personalbedarf in verschiedenen Bereichen, sei es in der Produktion, leitenden Positionen, als Elektriker, Maler, Gabelstaplerfahrer oder Chemikant“, so Börgel. Für den Sommer vereinbaren daher beide Partner, eine Hausmesse in Steinau ausrichten zu wollen, um diese Bedarfe gezielt decken zu können.

Aktueller Überblick

Die Zahl der Arbeitslosen nach dem SGB II ist im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Sie liegt bei einer Quote von 3,9 Prozent. Das entspricht im Januar 2024 exakt 9.009 Arbeitslosen im MKK. Die Anzahl der Leistungsbezieher nach dem SGB II betrug in diesem Zeitraum 28.086 Personen. Es gelang dem Jobcenter im Dezember 225 Arbeitsuchende in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Zahl der Neuanträge lag bei 565. Im gleichen Zeitfenster nahmen 864 Klient*innen des KCA-Jobcenters an einer Maßnahme der aktiven Arbeitsförderung teil. Die Bandbreite dieser Maßnahmen ist sehr weit und reicht von niedrigschwelligen Angeboten bis hin zu arbeitsmarkt-nahen Qualifizierungen. Zusätzliche Informationen können Sie der beigefügten Übersicht entnehmen.

Ukraine-Jahresreport

Von Januar bis August 2023 stieg der Gesamtbestand an erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Bürgergeld (SGB II) im Main-Kinzig-Kreis auf durchschnittlich 18.325 Personen, wobei 12,8% ukrainischen Ursprungs sind. Die Zahl der ukrainischen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im SGB II hat sich im gleichen Zeitraum um das 2,3-fache auf durchschnittlich 2.353 erhöht. Der reguläre Bestand an Leistungsbeziehenden blieb weitgehend stabil. Die Prognose für 2023 deutet auf einen weiteren Anstieg der ukrainischen Kriegsflüchtlinge hin, mit einem erwarteten Durchschnittsbestand von 2.451. Obwohl sie ein hohes Bildungsniveau haben und von günstigen Arbeitsmarktbedingungen profitieren, stellen sich besondere Herausforderungen aufgrund der Unsicherheit bezüglich des Kriegsverlaufs und ihrer Bleibeabsichten. Dennoch konnten bereits 608 Ukrainer*innen erfolgreich in den Arbeitsmarkt eingemündet werden.

Zum Bild, von links: Ivana Brasnjarevic (KCA-Arbeitsvermittlerin), Hans-Jürgen Schuder (Geschäftsführer von Dreiturm), Oleksandr Dobrovolskyi (leitender Mitarbeiter in der pharmazeutischen Produktion bei Dreiturm), Iris Falatik (Leitung Personal bei Dreiturm), Erika Kollmann (Koordinatorin für Arbeitsmarkt- und Integrationsprojekte beim KCA) und Lars Börgel (Dreiturm-Eigentümer und Geschäftsführer)

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