Dr. Wetzel: „Da hätte man sich mehr Zeit lassen können, wir waren da nicht in Zeitdruck“

Dr. Wetzel: „Da hätte man sich mehr Zeit lassen können, wir waren da nicht in Zeitdruck“

Wächtersbach (ea). Nicht alles läuft „rund“ beim Förderprogramm „Stadtumbau“ in Wächtersbach. Dr. Eberhard Wetzel hatte dazu beim jüngsten „Stammtisch mit Charakterköpfen“ des Altstadtfördervereins Wächtersbach als Referent einige Anmerkungen und Anregungen zu machen. Dr. Wetzel ist Vorsitzender des Fördervereins „Schloss + Park Wächtersbach“ und Mitglied in der Lenkungsgruppe für den Stadtumbau.

Die Begrüßung des Gastes nutzte Vorstandsmitglied Dirk Säufferer, eine neue, weit gediehene Veröffentlichung anzukündigen. Der Schlosspark wird nun umfassend gartenbaulich und kulturhistorisch eingeordnet. Im Vorgriff darauf stellt der Altstadtförderverein nun vier neue Abbildungen zur Verfügung. Sie zeigen die gartenbauliche Einbindung von Schloss, Prinzessinnenhaus und Rentkammer und systematisieren die Blickbeziehungen im Schlossgarten. Wichtig ist der langgezogene Blick aus den Rhododendren ins Zentrum des Schlossplatzes. Garten- und städtebaulich bedeutend ist folglich die künftige Ausstattung dort, wo historisch der prachtvolle Rosenhügel stand.

Die Wiese mit Bachläufen aber weist sehr starke Anklänge an klassische Wiesentäler auf. „Diese Wiese muss denkmalpflegerisch wie ein rohes Ei behandelt werden“, so die Schlussfolgerung.

Das Parkpflegewerk sei im Zusammenhang mit dem Förderprogramm jetzt offenbar aktiviert worden, sagte Dr. Wetzel dazu. Ein externes Büro aus Gießen sei beauftragt worden, dazu ein Projekt zu entwickeln. Beschränkungen bei der Parksanierung ergäben sich durch beschränkte finanzielle Mittel. Dr. Wetzels Einschätzung. „Die Stadt hat noch viel mit dem Schloss zu tun“, und das Schloss habe in den bisher vier Jahren des Stadtentwicklungsprogramms oberste Priorität gehabt. Wichtig ist aber, dass der Park in seinen Grundstrukturen geachtet wird und nicht beschädigt.

Einen breiten Raum im Vortrag und auch in der Diskussion der Gäste nahm die Entwicklung des ehemaligen Brauereigeländes ein, auf dem nach der aktuellen Beschlusslage des Stadtparlaments ein Parkhaus und 32 Wohneinheiten errichten werden sollen. Dr. Wetzel riet davon ab, das Areal zu schnell zu bebauen. Man könne erst nur 24 Wohneinheiten ausweisen und den Rest für Parkplätze reservieren. Unter Umständen könne die Stadt dann die für das Parkhaus eingeplanten 2,7 Millionen Euro einsparen. Das Parkhaus weise in der bisherigen Planung zudem einige Mängel auf, beispielsweise wäre eine Zufahrt vom Obertor/Ecke Wittgenborner Straße unübersichtlich und ungünstig. „Da hätte man sich mehr Zeit lassen können, wir waren da nicht in Zeitdruck“, so Wetzels Auffassung. „Ich hätte mir da mehr Weisheit gewünscht.“ Das Thema sei aber erstmal durch, weil die Mehrheit des Stadtparlaments das so beschlossen habe. Der Schlosspark werde die Stadt noch eine Menge Geld kosten, deswegen solle man „alle Bauvorhaben, die nicht unbedingt notwendig sind, erst einmal ruhen lassen“. Eine Frage sei auch, warum die Wohnblocks mit sozialem Wohnungsbau direkt an der Wittgenborner Straße gebaut werden müssen. Enesa Aumüller, eine der drei Vorsitzenden des Altstadtfördervereins, pflichtete ihm bei. Man solle das Brauereigelände dazu nutzen, um die Parkplatzsituation in der Altstadt zu entschärfen. „Man sollte erst den Parkplatzbedarf abdecken und dann über Bebauung reden“, sagte sie. 32 Wohneinheiten, so ein weiteres Argument aus den Reihen der Zuhörer, bedeuteten auch, dass auch 64 Parkplätze ausgewiesen werden müssten.

Was aber die Altstadt betrifft kam Wetzel auf ein weiteres Thema zu sprechen, habe man bei der Stadtentwicklung noch nicht viel gemerkt. Zu seiner Überraschung sei der Bereich der Bahnhofstraße ab der Friedrich-August-Genth-Schule bis zum Bahnhof aus der Planung herausgenommen worden. Für die dortigen Hausbesitzer bedeute dies, dass sie für Modernisierungsmaßnahmen keine Zuschüsse aus dem Förderprogramm mehr bekommen. Für ihn persönlich sei die Altstadtentwicklung sehr wichtig, dort stehe noch viel Wohnraum zur Verfügung, unter Umständen so viel, wie jetzt auf dem Brauereigelände vorgesehen sei. Viele Generationswechsel stünden in der Altstadt an. Das Bürgerinteresse an den drei Arbeitskreisen zur Stadtentwicklung habe spürbar nachgelassen, bedauerte Eberhard Wetzel. „In diesem Jahrhundertprojekt vom Bahnhof bis zum Schlossgelände sollte man sich engagieren“, so seine Meinung dazu.

Zum Oktober-Stammtisch am 10. Oktober um 16 Uhr wird der Musiker Klaus Kattenberg, der auch während der Kunstroute musiziert hat, als Charakterkopf zu Gast sein. Er wird über die Anfänge seiner Musikerkarriere erzählen, und von den Lesungen mit Christina Mark und ihrem gemeinsamen Projekt, welches im Rahmen der Erinnerung zur Reichspogromnacht entstand.

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