„Bericht über „Goliath“ erinnert an die Alchimisten im Mittelalter“

„Bericht über „Goliath“ erinnert an die Alchimisten im Mittelalter“

Main-Kinzig (VMK/rz). In einer Stellungnahme äußert sich Rolf Zimmermann, Vorsitzender der Vernunftkraft Main-Kinzig, zu Pressemeldungen der Bundestagsabgeordneten Dr. Peter Tauber (CDU) und Bettina Müller (SPD) zum Thema „Goliat“ in Sinntal. Der Text nachfolgend im Wortlaut:

„Nachdem im letzten Jahr bereits der CDU Bundestagsabgeordnete Dr. Peter Tauber dem Projekt „Goliath“ seine Aufwartung gemacht hatte, war laut Pressebericht vom 21. 7. 2020 kürzlich auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Müller in Sinntal. Für die Vernunftkraft MKK ist der Hype der Bundespolitiker um das Energiespeichersystem „Goliath“ in Sinntal nicht nachvollziehbar.

Zum einen handelt es sich bei „Goliath“ um nichts anderes als einem üblichen Pumpspeicherwerk, das bei Stromüberschuss Energie durch Hochpumpen von Wasser zwischenspeichert, um bei Bedarf durch Ablassen des Wassers aus dem Hochbehälter diese Energie mittels eines Generators wieder in Strom zu verwandeln. Im bergigen Österreich werden rund 18 Prozent des elektrischen Stromes von Speicherkraftwerken geliefert. Die Zwischenspeicherung von großen Strommengen in Pumpspeicherwerken scheitert bei uns jedoch am extrem hohen Platzbedarf und an den nicht vorhandenen Höhenunterschieden zwischen Speicher und Generator dieser Systeme. Das Pumpspeicherwerk Langenprozelten im Spessart z.B. speichert bei einem Höhenunterschied von ca. 300 m und einem effektiven Fassungsvermögen der Speicherbecken von ca. 1.500.000 m³ Wasser ca. 950 MWh Strom. Anschaulich umgerechnet bedeutet dies, dass dieses riesige Pumpspeicherwerk nur in etwa die Strommenge speichern kann, die dem Jahresbedarf von ca. 300 Haushalten entspricht. Da „Goliath“ nach dem gleichen Prinzip funktioniert, müsste für die gleiche Speicherkapazität das gesamte System entweder ähnlich groß dimensioniert sein wie das Pumpspeicherwerk im Spessart oder aber in riesigen Stückzahlen gebaut werden. Damit entstehen aber genau dieselben Probleme des Platzbedarfs, wie bei einem handelsüblichen Pumpspeicherwerk. Ein Pumpspeicherkraftwerk nutzt noch eine geeignete Topografie der Landschaft. Der „Goliath“ wird ausschließlich aus Beton, Stahl und anderen künstlich hergestellten Materialien gebaut, benötigt also auch bei der Herstellung bereits viel Energie. Letztendlich lässt sich die Physik nicht überlisten.

Des Weiteren erzeugt das System, wie auch die Erfinder betonen, selbst keinen Strom. Es handelt sich bei „Goliath“ lediglich um ein Speichersystem, dessen Wirkungsgrad bei ca. 80% liegt. Deshalb ist auch die Aussage der beiden Erfinder illusorisch, dass beim flächendeckenden Einsatz von „Goliaths“ in Deutschland „kein weiteres Windrad mehr gebaut werden müsste“. Wenn der bisher erzeugte Strom aus fossilen Quellen künftig wegfallen soll, muss die fehlende Menge irgendwo herkommen. Ein Stromspeicher jedoch kann keinen Strom erzeugen, er muss immer wieder befüllt werden. Deshalb ist nicht nachvollziehbar, weshalb gerade „Goliath“ die Probleme der Energiewende lösen soll.

„Uns erinnert der Bericht über „Goliath“ an die Alchimisten im Mittelalter, die ihren Herrschern die Herstellung von Gold aus unedlen Metallen wie Blei versprochen haben“, fasst der Vorsitzende Rolf Zimmermann die Kritik von Vernunftkraft MKK zusammen. Wie die Geschichte der Alchemisten ausging ist bekannt, kein Einziger konnte seine Versprechungen einlösen und manch einer musste dafür lange büßen. „Wir hoffen, dass sich unsere Bundespolitiker bevor sie sich persönlich für dieses Projekt einsetzen, erst einmal intensiv mit den technischen Anforderungen der Energiewende befassen und sich nicht von hübschen Geschichten beeindrucken lassen.“

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