Eine Herzensangelegenheit, aber:  „Wir haben offenbar den Schamfaktor unterschätzt“

Eine Herzensangelegenheit, aber: „Wir haben offenbar den Schamfaktor unterschätzt“

Wächtersbach (ae). „Meine Enkelin fragt mich nicht, ob ich nur eine kleine Rente habe. Sie fragt, was sie zu Ostern bekommt.“ Die Wächtersbacher Rentnerin, die so gerne ihrem fünfjährigen Enkelkind eine Freude machen möchte, hat es Überwindung gekostet, sich auf eine Ankündigung hin zu melden, derzufolge eine Reihe Wächtersbacher Geschäftsleute für das diesjährige Osterfest Überraschungstüten packten. Und das ging ihr nicht alleine so. „Wir haben offenbar den Schamfaktor unterschätzt, der zum Tragen kommt, wenn es darum geht, ein Geschenk anzunehmen“, räumt Annika Herchenröther ein. Die engagierte Frau hat in der zurückliegenden Woche viele Stunden damit zugebracht, der Gemeinschaftsaktion der Wächtersbacher Gewerbetreibenden Leben einzuhauchen.

Gemeinsam mit Andrea Euler von der Altstadtbuchhandlung „Dichtung & Wahrheit“ hat sie das Konzept der Aktion erdacht, hat Geschäftsleute angesprochen, Spenden eingesammelt, von den Geldspenden weitere Geschenke erworben. Immer mit Blick darauf, dass es schon auch ein Osterhase sein darf, aber ansonsten eher Gesundes, Unterhaltsames und Kreatives in den Osterkörbchen landen sollte. Und so wurde es am Schluss eine überaus schönes Mischung aus Ostereiern, Äpfeln und Mandarinen, Spielsachen, einer CD, einem Buch, Multivitaminpräparaten, Seife, und einem Gutschein für eine Baby-Pizza. Nicht in allen Tüten ist dieselbe Mischung – aber von der Wertigkeit bekommen alle Kinder Vergleichbares. „Es ist unglaublich schön zu sehen, wie sich die Gewerbetreibenden und auch Privatleute sehr spontan für diese Aktion begeistert und gespendet haben. Gerade jetzt, wo für die Gewerbetreibenden selbst auch häufig nicht klar ist, wie es mit ihren Betrieben weitergeht, ist das ein großartiges Zeichen von Solidarität“, sagen Herchenröther und Euler. Beider Dank gilt auch dem Ordnungsamt der Stadt Wächtersbach für die Unterstützung und die hilfreichen Hinweise.

„Auch wenn wir zu Hause bleiben müssen und es für viele wirtschaftlich keine leichte Zeit ist, sollen die Kinder doch eine Osterfreude haben“, begründet etwa Francesca Galletta-Valenti ihr Engagement. „Ein Lächeln auf dem Gesicht eines Kindes macht das Herz warm.“ Olaf Reetz von der gleichnamigen Altstadt-Metzgerei sagt: „Die Idee hat mir gleich gut gefallen, und es ist mir eine Herzensangelegenheit, bei dieser Aktion dabei zu sein.“

Die Tüten wurden nach den Vorgaben des städtischen Ordnungsamtes gepackt, standen dann drei Tage unberührt in einem Kellerraum. Verändert wurden jedoch die Übergabemodalitäten: Nachdem die Organisatorinnen feststellten, dass es einigen Anrufern unangenehm war, zu der Abholung des Geschenks auf einen öffentlichen Platz zu kommen, haben sie sich für die Lieferung direkt an die Haustür entschieden. „Auch aus Vorsichtsgründen ist das angesichts der aktuellen Gefährdungslage sicher die richtige Entscheidung“, zeigt sich Herchenröther mit dieser Lösung zufrieden. Zudem wurde um die Zusendung von Vorschlägen von Nachbarn und Freunden bedürftiger Kinder gebeten, wer sich möglicherweise über ein Geschenk freuen könnte.

40 Tüten wurden insgesamt gepackt, deren Inhalt den Kindergarten- und Grundschulkindern nun eine Freude bereiten soll. Tatkräftige Hilfe wurde den Organisatorinnen von Eva Bonin, Susanne Wolf, Melanie Koch, Julia Ballin und Stephan Siemon zuteil, die bei Organisatorischem und dem Verteilen der Taschen mit anpackten.  Mit versorgt werden bei dieser Aktion auch die jüngeren Bewohner des Frauenhauses, die zusätzlich zu den individuellen Tüten noch zwei Marionetten für das gemeinschaftliche Spielzimmer erhalten. 

Beteiligt waren an der Aktion
Metzgerei Reetz
Tonis Pizzeria
Elektro-Lehnhoff
Optik und Schmuck Berger
Aumüller Immobilien
Ulis Obst- und Gemüsekiste
Altstadtladen
Praxis Lebens-Raum
Buchhandlung Dichtung & Wahrheit
Annies Seifeneckl
Frau Ella Brautmoden
Hof-Apotheke
Raumtexstudio Stein + Lieder
Fritz Feit (Concordia-Stiftung)
Familien- und Jugendhilfebüro (FJB) Voerste
sowie engagierte Privatleute

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