Aufruf zum „Fasten vor schlechten Nachrichten“: „Katastrophenmodus adé“

Aufruf zum „Fasten vor schlechten Nachrichten“: „Katastrophenmodus adé“

„Eine Zeitung aufzuschlagen oder den Fernsehen anzumachen, stellt heute eine große Herausforderung dar. Wenn man sich noch einen Funken Lebensfreude erhalten will, sollte man den Fernsehen lieber auslassen und die Zeitung am Besten ungelesen in den Müll schmeißen. Die Zeitung ist derzeit noch nicht mal zerrissen für die Entsorgung einer Apfelschale im Biomüll zu gebrauchen, wenn man morgens nicht schon mit schlechter Laune starten will, weil einem eine misslaunige Überschrift anstarrt. Vom Smartphone gar zu schweigen, welches ich ohnehin schon aus den selbigen Gründen abgeschafft habe. Letzteres, weil man gerade als Frau ab 50 nur noch mit Werbung für Faltenunterspritzung, Anticelluliteprodukten oder Krampfadercreme zugemüllt wird. Frau zu sein ist ohnehin schon schwer genug.

Da war doch was im März? Ach ja: Weltfrauentag. Auch hier gibt es offensichtlich nichts zu feiern in diesem Jahr. Wie bitte soll ein Mensch sich bei den täglich, gar stündlich panisch aufgemachten Nachrichten überhaupt noch motivieren, täglich aufzustehen und seiner Arbeit nachzugehen? Will man gar absichtlich eine Gesellschaft zu einer Massen-Dauerdepression hin manipulieren? Stubenhocker in einer virtuellen Welt dahin siechender, dahin dümpelnder Zombies? Das kann doch weder Wirtschaft noch Sozialsystemen und schon gar nicht dem sozialen Miteinander dienen. Ein unerträglicher Zustand finde ich. Man sieht fast nur noch grau, schwarz oder dunkelblau gekleidete Menschen in Depressionsfarben, bleiche Gesichter mit missmutiger Laune und Augenringen, hängenden Köpfen (nicht nur, weil man mit seinem Smartphone spazieren geht). Wer laut lacht und fröhlich durchs Leben zu gehen versucht (und keinen Therapeuten hat), der gilt scheinbar als nicht ganz normal, besoffen oder gar unter Drogen.

Das schlägt doch auf’s Gemüt. Wo bleiben denn die vielen Farben, die eine positive Grundstimmung verbreiten könnten, nicht nur auf das eigene Gemüt, sondern ggf. auch auf die Laune der Mitmenschen? Veranstaltungen, die zur Verbesserung der allgemeinen gesellschaftlichen Stimmung beitragen könnten, werden nach Rücksprache mit Behörden und Veranstalter abgesagt („verschoben“), wie z.B. die hr1 Party am 7. März 2020 in Offenbach oder das Mandelblütenfest in der Pfalz. Der letzte Hauch von Lebensfreude und Zuversicht wird durch eine unbedachte Berichterstattung durch Medien im Keim erstickt. Mittlerweile muss man ja mehr Angst vorm Leben, als vor dem Tod haben. Denn was für eine Welt wird das sein, auch wenn diese Krisen überwunden sein sollten und die nächste bereits anklopft? Die Menschen werden immer weiter voneinander entfernt, keiner geht will mehr ausgehen oder feiern. Nähe gibt es schon gar nicht mehr.

Abstand halten ist das Gebot der Zeit. Misstrauen nimmt zu auf allen Ebenen. Wer nicht mehr mitmachen will oder kann, der vergammelt ggf. einsam, vollkommen teilnahmslos, gleichgültig, lebensmüde – ja eher lebensmürbe – in seinen vier Wänden. Wer sich noch raus traut, der kann sich nur doch die Probleme anderer anhören, die offensichtlich keinen anderen mehr finden, der ihnen überhaupt noch zuhört. Das Leben sollte schön sein, lachen, feiern, sich freuen. Es reicht schon, dass es kaum mehr Discos oder Clubs gibt, wo man mal abschalten und abtanzen kann.

Ich plädiere für eine Säuberung der Berichterstattung. Eine Art Fasten vor schlechten Nachrichten. Vielleicht könnten sich Presse, Medien und Fernsehen mal dazu durchringen, zumindest mal für den Anfang, an einen Tag in der Woche mal wirklich NUR positive Nachrichten zu veröffentlichen. Später könnten daraus auch gerne mehr werden, als nur ein Tag.“

Shalimar E. Möhler, Biebergemünd

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