„Wirtschaftlichkeit des Windparks am Horstberg überprüfen!“

„Wirtschaftlichkeit des Windparks am Horstberg überprüfen!“

Schnell zusammen gefasst – und Dank KI nicht ganz perfekt

  • Bürgermeister Tobias Weisbecker fordert HessenForst und den Projektentwickler Perigus Energy auf, die Wirtschaftlichkeit des geplanten Windparks am Horstberg vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen auf dem Windenergiemarkt neu zu bewerten und gegenüber der Öffentlichkeit transparent darzustellen.
  • Weisbecker hat sich deshalb sowohl an den Direktor des Landesbetriebs HessenForst als auch an die Geschäftsführung von Perigus Energy gewandt und um eine zeitnahe Stellungnahme gebeten.

Bürgermeister Tobias Weisbecker: Aus für vergleichbares Windkraftprojekt im Westerwald wirft neue Fragen für Bad Orb auf.

Bad Orb (BO/dd). Bürgermeister Tobias Weisbecker fordert HessenForst und den Projektentwickler Perigus Energy auf, die Wirtschaftlichkeit des geplanten Windparks am Horstberg vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen auf dem Windenergiemarkt neu zu bewerten und gegenüber der Öffentlichkeit transparent darzustellen.

Anlass ist die Einstellung des Windparkprojekts „Märkerwald-Dierdorf“ im Westerwald.

Der dortige Projektentwickler ABO Energy hat im September den laufenden Genehmigungsantrag zurückgezogen und erklärt, eine Realisierung sei unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr darstellbar. Geplant waren dort bis zu acht Anlagen mit einer Nabenhöhe von 179 Metern und einem Rotordurchmesser von 175 Metern. Damit weist das Projekt wesentliche technische Eckdaten auf, die auch für den von Perigus Energy geplanten Windpark am Horstberg genannt werden.

Hintergrund ist die deutliche Veränderung der Bedingungen bei den Ausschreibungen für Windenergie an Land. Bei der Ausschreibung der Bundesnetzagentur im Mai 2026 standen rund 6,4 Gigawatt eingereichter Gebote einem Ausschreibungsvolumen von rund 2,5 Gigawatt gegenüber. Der durchschnittliche Zuschlagswert sank auf 5,06 Cent je Kilowattstunde, nach 5,54 Cent im Februar. Die Bundesnetzagentur stellt fest, dass der mittlere Zuschlagswert seit August 2024 über sieben Ausschreibungsrunden um mehr als zwei Cent je Kilowattstunde gefallen ist.

Rathauschef Weisbecker: „Niemand kann aus der Entscheidung …

… in Dierdorf automatisch schließen, dass auch der Windpark am Horstberg unwirtschaftlich ist. Aber ebenso wenig kann man so tun, als hätten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht grundlegend verändert“

„Wenn ein vergleichbares Projekt mit bis zu acht Anlagen aufgrund der aktuellen Erlössituation aufgegeben wird, dann ist die Frage nach der Wirtschaftlichkeit am Horstberg mehr als berechtigt.“

Perigus Energy plant nach eigenen Angaben weiterhin bis zu acht Windenergieanlagen mit insgesamt mehr als 56 Megawatt Leistung. Das Unternehmen beziffert die möglichen kommunalen Einnahmen für die drei Standortkommunen auf rund 240.000 Euro jährlich beziehungsweise rund sechs Millionen Euro über 25 Jahre. Andere Gutachten und die Stadt Bad Orb haben erhebliche Zweifel an diesen Zahlen.

Weisbecker fordert deshalb eine Aktualisierung der wirtschaftlichen Bewertung des Vorhabens.

Dabei müsse insbesondere erläutert werden, welche Erlöserwartungen heute zugrunde gelegt würden, wie sich die gesunkenen Zuschlagswerte auswirkten und ob die bisherigen Prognosen zu Ertrag und kommunaler Wertschöpfung weiterhin Bestand hätten.

„Es geht hier nicht um ein theoretisches Planspiel“, so Weisbecker. „Es geht um erhebliche Eingriffe in einen sensiblen Wald-, Wasser-, Kur- und Erholungsraum. Deshalb darf man erwarten, dass zunächst geklärt wird, ob das Projekt unter den heutigen Bedingungen überhaupt eine belastbare wirtschaftliche Perspektive besitzt.“

Für Bad Orb komme hinzu, dass sich die Bürgerinnen und Bürger im März 2026 mit 3.034 Ja-Stimmen gegenüber 1.405 Nein-Stimmen dafür ausgesprochen hätten, alle tatsächlich und rechtlich zulässigen Maßnahmen zur Verhinderung von Windkraftanlagen im zum Stadtgebiet gehörenden Bereich des Horstbergs zu ergreifen.

„Dieses Votum ist für uns Auftrag“, erklärt Weisbecker. „Wenn sich jetzt zusätzlich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verschieben, muss das bei allen weiteren Entscheidungen berücksichtigt werden.“

Weisbecker hat sich deshalb sowohl an den Direktor des Landesbetriebs HessenForst als auch an die Geschäftsführung von Perigus Energy gewandt und um eine zeitnahe Stellungnahme gebeten.