Gleichstellung bei den Kerbburschen

Gleichstellung bei den Kerbburschen

Schnell zusammen gefasst – und Dank KI nicht ganz perfekt

  • Wenngleich die Mitglieder des SVL in großer Geschlossenheit signalisieren, auch weiterhin Dienste für das Fest zu übernehmen und sich bei Organisation, sowie Auf- und Abbau zu engagieren.
  • „Unsere scheunenartige Dreschhalle, das rauchzarte Guinness und dazu die handgemachte Folk-Musik haben noch besser zusammengepasst, als wir es uns in den Planungen vorgestellt haben.

Lettgenbrunn feierte Kirchweihfest – erstmals Mädchen und Jungen gleichermaßen in auffällig pinken Outfits zu sehen.

Jossgrund (hoh). Pünktlich zum Patronatstag des heiligen Jakobus begann am 25. Juli das Kirchweihfest in Lettgenbrunn. Dabei hat die Gleichstellung auch die Kerbburschen-Tradition verändert. Die Veranstalter zeigen sich zufrieden und schauen sehr positiv in die Zukunft. Allerdings werfen die Auflösung des SVL und die Herausforderungen rund um den Erhalt der Kirche bereits ihre Schatten voraus.

Lettgenbrunner Kerbburschen stellen den Kerbbaum

Erstmalig startete der Kerbsamstag mit einer Kinderdisco.

Dazu kamen die Kinder verkleidet. Nahtlos weiter ging es mit dem Ausgraben der Kerb. Im Garten der 18-jährigen Leni Heilmann wurde die zum Ende der letztjährigen Kerb vergrabene Weinflasche mit Spaten und Schaufel wieder ausgegraben. Gemeinsam mit Tom Holzmann bildete Heilmann das diesjährige Kerbpaar.

Gleichstellung bei männlich geprägter Tradition

Bislang gab es neben den vielen Kerbburschen jährlich nur ein Kerbmädchen. Doch in diesem Jahr waren erstmals Mädchen und Jungen gleichermaßen in auffällig pinken Outfits zu sehen. Somit hält die Gleichstellung auch bei dieser Tradition Einzug und soll künftig beibehalten werden.

Der Samstagabend wurde mit einer 90er-Jahre-Party gefeiert.

Auch hierzu erschienen einige Partygäste in Kleidung und Accessoires der damaligen Zeit.

Der gut besuchte katholische Festgottesdienst leitete den Sonntag ein. In der rustikalen Dreschhalle spielten ab 11 Uhr die „Kiermondichs-Polkaholiker“. Am Abend gab es zu Guinness aus dem Fass eine „Irish Night“ mit der Folk-Band „Amarank“. Kerstin Krieger vom Orga-Team resümierte: „Unsere scheunenartige Dreschhalle, das rauchzarte Guinness und dazu die handgemachte Folk-Musik haben noch besser zusammengepasst, als wir es uns in den Planungen vorgestellt haben.“

Für Kurzweil bei den Kindern sorgten über das gesamte Wochenende hinweg eine große Hüpfburg und Ponyreiten.

Der Kerbmontag war auch in diesem Jahr besonders beliebt. Heimische Unternehmen sponserten reichlich Freibier. Worüber sich Organisatorin Andrea Heilmann freute: „Das ist eine ganz tolle und spendable Geste unserer Unternehmen im Dorf, aus Bad Orb und darüber hinaus!“ So fanden sich zum Frühschoppen und der alljährlichen Erbsensuppe aus der Gulaschkanone wieder viele Kerbgänger ein.

Musikalisch gab es gleich zwei Gruppen zu genießen. Zum einen den vom Veranstalter gebuchten „Kinzigexpress“ und zum anderen eine Gruppe Musiker, die mehr oder minder spontan die Freibieraktion für einen Besuch nutzten und sich musikalisch einbrachten. Dazu hatte Roland Rützel Liederbücher mitgebracht und ausgeteilt. Jens Ulrich vom Festausschuss war begeistert: „völlig improvisiert und die Besucher konnten sich die Lieder wünschen und mitsingen!“

Die 20 Kerbburschen und -mädchen vergruben am Montagabend …

… gemeinsam mit ihrem Kerbopa Markus Mühl die Kerb traditionell im Garten des Mädchens des kommenden Kerbpaares. Dies scheint bei aller Gleichberechtigung unverändert bei den Mädchen zu bleiben. Aber vielleicht gibt es neben dem Kerbopa auch bald eine Kerboma. Nachdem das Loch ausgehoben war, gruppierten sich die Lettgenbrunner zu einem Abschlussfoto. Daraufhin sprach SVL-Ehrenmitglied Frank Kärtner spontan ein paar Worte. Er dankte allen Organisatoren und Helfern der Lettgenbrunner Kerb 2026. Insbesondere den vielen engagierten Jugendlichen, die mit viel Fleiß die Tradition nicht nur fortführen, sondern auch gestalten. Als Vorsitzender des „Jugend- und Kulturausschusses“ der Gemeinde Jossgrund, war ihm diese besondere Erwähnung wichtig.

Herausforderungen und Kraftaufwand stehen an

Jedoch rückten bei aller Ausgelassenheit dorfinterne Herausforderungen immer wieder in den Vordergrund. Die Auflösung des SV Lettgenbrunn ist seit Wochen beschlossen. Neben Dorfverein und Feuerwehr war der SVL eine der drei tragenden Säulen des Festes. Mit Unterstützung der Landfrauen bei Kaffee und Kuchen konnten die Dienste bislang mit den Mitgliedern gestemmt werden.

Diese Herausforderung könnte in den kommenden Jahren größer werden. Wenngleich die Mitglieder des SVL in großer Geschlossenheit signalisieren, auch weiterhin Dienste für das Fest zu übernehmen und sich bei Organisation, sowie Auf- und Abbau zu engagieren.

Die andere Frage stellt sich im Hinblick …

… auf den Sinn des Festes selbst. Um die Weihe der Kirche feierlich zu bewahren, muss natürlich auch die Kirche selbst erhalten bleiben. Von einer Schließung ist man aktuell zwar noch etwas entfernt, doch sowohl die katholische, als auch die evangelische Kirche, haben auf unterschiedliche Weise zu verstehen gegeben, dass die Lettgenbrunner Doppelkirche zumindest finanziell auf das sprichwörtliche Abstellgleis geschoben wird. Folglich gilt es, auch diese Herausforderung anzunehmen. Denn ein Kirchweihfest ohne Kirche wäre zweifelsfrei paradox. Aber auch bei dieser Frage sind die Lettgenbrunner nicht untätig.