Pflanzentausch, Verschenk-Börse und Dengelkurs

Pflanzentausch, Verschenk-Börse und Dengelkurs

Bericht von Iris Schick-Schäfer

Biebergemünd.Was für ein Samstag in Biebergemünd-Lanzingen: Erst Pflanzentausch- und Verschenk-Börse – und dann noch ein Dengelkurs„. Über diesen ereignisreichen Tag berichtet Iris Schick-Schäfer ausführlich im nachfolgenden Bericht.

„Pünktlich um 13.30 Uhr ging es los. Hr. Dejos, Hufschmied aus Völzberg, hatte allerlei zur Ansicht mitgebracht und begann die Teilnehmer über das Sensenschmiede-Handwerk zu informieren. Er erklärte, dass die ersten Sicheln für reifes Getreide bereits 2.000 Jahre vor Christus im alten Ägypten genutzt wurden und die Sensenform, wie wir sie kennen, seit dem Mittelalter existiert. In alten Reliefs auf dem Place St. Mare in Venedig und in Notre Dame sei diese Sichelform zu sehen. 

Alle Bilder: Iris Schick-Schäfer

Die Sense ist effizienter und leichter als jedes andere Gerät der modernen Zeit. Das einzige, was man brauche, sei höchstens etwas Kraft. Dafür macht die Sense kein Geräusch, verbraucht keine Ressourcen wie Strom oder Benzing und schadet auch nicht den Kleinlebewesen in der Wiese. Außerdem kommt man mit ihr an die unzugänglichsten Stellen. Wenn man die Technik richtig erlernt, sei das Mähen mit einer Sense eine wunderbare Erfahrung für Körper und Geist. Die Teilnehmer hatten allerlei Sensen, Sicheln, einen Dengelbock sowie einen Dengelapparat mitgebracht. 

Wer Glück hat, hat das Mähen mit der Sense noch von seinem Opa erlernt. Aber ob die Sense auch zum Körper passt, ist eine andere Frage. Hr. Dejos demonstrierte dies an einem Teilnehmer. Er stellte den Sensenbaum (Stiel) neben ihn und erklärte, dass der oberste Griff unterhalb dem Kinn liegen solle und der Mittelgriff auf Höhe der Hüfte zu sein habe. Zwischen den beiden Griffen ist dann mindestens eine Ellenbogenlänge Platz. Dabei stellte sich heraus, dass die Mehrzahl der  Sensen nicht zu ihrem jeweiligen Besitzer passten. Das sei, als wenn man ein Auto kaufe und dann nicht an die Pedalen komme, so erklärte Hr. Dejos. 

99 Prozent der mitgebrachten Sensen sind sogenannte Grassensen. Diese haben ein 70 cm langes Blatt und werden üblicherweise verkauft. Selten bis gar nicht fragt der Verkäufer nach, für was die Sense eigentlich genutzt werden soll oder prüft, ob sie überhaupt zum Käufer passt. Wer Brennnesseln oder Klee damit mähen will, wird sich schon schwertun.

Um unter Bäumen zu mähen, sei eine sogenannte Förstersense zu empfehlen. Diese komme auch mit Wildlingen klar, hat ein härteres Blatt, sei ca 40 cm lange und wäre für uns als Obst- und Gartenbauverein eine gute Alternative.

Hr. Dejos demonstrierte, wie Sensen sicher zu „stellen“ sind, damit sich niemand, auch keine spielenden Kinder, daran verletzen können. Das ist dann der Fall, wenn die Sense so gestellt wird, dass die Schneide nach unten auf dem Boden liegt. Es sei auch verboten, eine Sense in den Baum zu hängen oder diese über der Schulter zu tragen. Richtig transportiert werde diese in der rechten Hand, mittig gegriffen und beim Gehen leicht nach links und rechts zu wackeln. Dabei zeigt die Sense in Gehrichtung.

Wird die Sense nicht benutzt, dann putzt man diese nach getaner Arbeit mit einem Grasbündel ab – immer von der Bartspitze weg, ölt das Blatt ein und montiert den Baum ab (Titelbild). 

Es gibt unzählige verschiedenen Sensen, etwa für Strauch-, Heidekraut-, Stauden-, Hopfen-, Gras und Forst. Beipielsweise werden Gras- Weinberg-, Heidekraut und Hopfensensenblätter gedengelt, Förstersensen oder Sicheln dagegen nicht. Diese werden nur gewetzt.

Für das Dengeln benötigt man einen Hammer und Amboß. Ein glatter Stein kann den Amboß ersetzen. Dann fehlen nur noch Geduld, Gewissenhaftigkeit, eine ruhige Hand und ein gutes Auge, um das Blatt zu führen. 

Alle Bilder: Iris Schick-Schäfer

Bevor man mit dem Dengeln beginnt, solle man sich das Sensenblatt ansehen. Falls es schief sei, müsse es gerade gestellt werden. Das geschieht ebenfalls durch Hämmern des Blattes. Das die Spitze leicht gebogen ist, sei richtig. Wenn Kerben oder Beulen in der Schneide sind, werden diese soweit möglich, gerade geklopft.  

Erst dann wird das Blatt gewetzt. Dazu sollte ein Naturwetzstein verwendet werden, der mindestens zwei Stunden gewässert wurde. Für Grassensen sollte immer ein Naturwetzstein genutzt werden. Dieser sei feinkörniger als Kunststein. Leider seien solche Carborundum-Steine heutzutage kaum noch zu bekommen. 

Auch das Wetzen will gelernt sein. Nur mit der schmalen Kante wird dieser vom Bart zur Spitze geführt. Nie zurück. Das sei besser für die Finger. Da Wasser oft kalkhaltig ist, macht es Sinn, diesem ein Schuss Essig hinzuzufügen, damit sich der Kalk nicht auf das Sensenblatt überträgt. 

Jetzt wird das Blatt gedengelt. Dafür legt man sich das Blatt auf den breiten Amboss und wählt die schmale Seite des Hammers und schiebt die Sensenscheide langsam und stetig weiter, während man im gleichbleibendem Rhythmus immer wieder auf die gleiche Stelle der auf dem Amboß gerade liegenden Schneide schlägt. Wir reden hier nur von einem mm, der gedengelt werden soll. Anschließend wird die geschärfte Schneide von drei bis vier mm herausgedangelt. Gleiches Prinzip wie beim Dengeln, nur über der Schneide. Das erfordert Koordination zwischen Schieben und Hämmern und lässt sich am besten mit Alublech oder Kupferabfall üben. Oder mit einem der verrosteten Sensenblätter, die hier so herumliegen, meinte Hr. Dejos mit einem Augenzwinkern. Die Fingernagelprobe zeigt, ob die Schneide scharf ist. Das Klang ist heller, als an den noch ungedengelten Stellen.

Den Anwesenden wurde der Bauernamboss vorgeführt. Hierbei handelt es sich quasi um einen  Amboss to go. Dieser Bauernamboss ist leichter zu transportieren, man steckt ihn in die Wiese, setzt sich drumherum und beginnt sein Werk. Da es sich hierbei um einen schmalen Amboss handelt, wird mit der breiten Seite des Hammers gedengelt. Hr. Dejos führte auch den Dengelstock vor. Das sei eine Sitzgelegenheit für ältere Männer.

Wer einen schmalen spitzen Amboss hat, benutzt die breite Seite des Hammers beim Dengeln.

Seit dem 17. Jahrhundert gibt es auch auch Dengelapparate, die das Ganze erleichterten. Der mitgebrachte Dengelapparat eines Mitgliedes des Obst- und Gartenbauvereines Lanzingen hat Hr. Dejos sehr fasziniert. Am liebsten hätte er diesen mit nach hause genommen.

Es waren faszinierende zweieinhalb Stunden, bei denen die den Teilnehmern viel Spaß hatten und ihre Bedenken vorm Dengeln und Dangeln verloren.“ 

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